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Supplement 19

Efeu am Rantzaubau, Kieler Schloß (Photo: Reinke)Möglichkeiten des Naturschutzes im urbanen Raum

Lucie Achtel, Anette Rieger, Hella Schmidt-Adam & Joachim Stuhr

Redaktion: Dörte Paustian

Steigende Bevölkerungszahlen sowie der Anspruch des Menschen nach Individualraum ließen die Städte in den vergangenen Jahrzehnten stetig anwachsen. Immer mehr Brachflächen mußten dem Wohnungsbau weichen. Zunehmende Motorisierung macht den Ausbau von Verkehrsnetzen und Parkplatzflächen notwendig. So wurde das Stadtgrün immer mehr in Randzonen verdrängt.

Dies war und ist angesichts der steigenden Belastung durch den Verkehr bedenklich, zumal Natur in der Stadt auch für den Menschen eine große Bedeutung hat. Sie kann der Naherholung am Wochenende dienen, sie kann Spielplatz für Kinder und Erwachsene sein und bietet durch ihre Ästhetik Abwechslung in dem oft tristen Städtegrau. Ferner kann sie als Filterorgan die Schadstoffe in der Luft reduzieren. Auch ein wirtschaftlicher Nutzen ist durch die Natur in der Stadt zu erzielen. So dienen etwa Dach- oder Fassadenbegrünung der Wärmeisolation von Wohnhäusern.

Doch nicht nur durch das Bauwesen wurden Grünflächen aus der Stadtlandschaft verdrängt oder verändert. Ehemals heterogen gestaltete Nutzgärten wurden zu homogenen, wenig pflegebedürftigen Gärten umgestaltet. Die Folge war die Zunahme artenarmer Rasenflächen. Zumal etwa siedlungstypische Ruderalvegetation vielfach als unästhetisch im Sinne von Unordnung empfunden wurde. Trotz allem leben in der Stadt, die eine Vielzahl von Biotoptypen - wenn auch in kleinflächiger Form - enthält, zahlreiche Pflanzen und Tiere, v.a.Arthropoden. Allerdings wurden einheimische Pflanzenarten immer mehr aus der Stadt verdrängt.

Erst in der letzen Zeit wird der Ruf nach Renaturierung der Stadt laut. Die Fassaden- oder Hinterhof- und auch die Dachbegrünung wird häufiger. Auch im Gartenbereich hat ein Umdenken stattgefunden. So werden statt fremdländischer Pflanzen wieder einheimische Arten vermehrt in den Garten zurückgeholt.

Die vorliegenden Arbeiten sind an der Forschungsstelle für Ökosystemforschung und Ökotechnik an der Universität in Kiel entstanden und sollen Möglichkeiten des Naturschutzes im urbanen Raum aufzeigen. Alle Untersuchungen fanden in der Stadt Kiel oder in deren näherer Umgebung statt. RIEGER untersuchte in diesem Zusammenhang die Besiedlung von begrünten Hauswänden durch ausgewählte Gruppen von Arthropoden unter besonderer Berücksichtigung der Exposition und der mikroklimatischen Bedingungen. ACHTEL befaßte sich mit der Untersuchung der ökologischen Funktion begrünter Dächer für die Arthropodenfauna. SCHMIDT-ADAM und STUHR widmeten sich der Betrachtung des Blütenbesuchs von tagaktiven Insekten an Gartenpflanzen.