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Supplement 7

Otiorhynchus Frisius (Curculionidae)Biologisch ökologische Untersuchungen an Lepidopteren des Supralitorals der Nordseeküste

Dieter Stüning

Im Küstenbereich Nordwesteuropas hat sich unter dem Einfluß der Gezeiten ein Lebensraum entwickelt, der in seiner speziellen Ausprägung einzigartig auf der Welt ist. Das Groß-Ökosystem Wattenmeer - ein durchschnittlich 5 - 20 km breiter Streifen vor der Festlandsküste vom niederländischen Den Helder bis zum dänischen Esbjerg - besteht zu 95 % seiner Gesamtfläche (730.000 ha) aus vorwiegend marinen Zonen (Sublitoral, Eulitoral). Lediglich ein schmaler Randstreifen von ca. 20.000 ha Flächenausdehnung, heute ausnahmslos vor Seedeichen gelegen ("Vorland"), zeigt den typischen Aufbau einer Salzwiese. Der ständige, tidenbedingte Wechsel zwischen marinen und terrestrischen Lebensbedingungen wirkt sich zugleich positiv und negativ auf eine Besiedlung dieses Gebietes aus: Einerseits werden mit dem Wasser große Nährstoffmengen herangeführt, andererseits wirkt die Überflutung als Faktorenkomplex für viele Organismen terrestrischen Ursprungs als ökologische Barriere. So haben nur etwa 45 Pflanzenarten diesen extremen Lebensraum dauerhaft besiedeln können, erreichen aber zusammen mit dem angespülten Detritus eine organische Ausgangsmasse von 10 bis 20 t Trockengewicht pro ha/Jahr (HEYDEMANN 1977). Dieses hohe Nahrungspotential wird direkt oder indirekt von etwa 2000 Tierarten ausgenutzt, von denen etwa 2/3 eine so hohe ökologische Spezialisation auf-weisen, daß sie in anderen Ökosystemen nicht existieren können.

Basis einer jeden Nahrungskette sind nach den Produzenten die phytophagen Tiere (Konsumenten 1. Grades). Nach TISCHLER (1976) gehen in vergleichbaren Lebensräumen des Binnenlandes etwa 20 % der Primärproduktion durch diese Trophie-Stufe in die Nahrungskette ein.

Um die Funktion dieser Konsumentenstufe im Ökosystem-Komplex "Salzwiese" besser beurteilen zu können, sind seit mehreren Jahren im Rahmen der Forschungsarbeiten der Abteilung "Angewandte Ökologie/Küstenforschung" unter Leitung von Prof. Dr. B. Heydemann in verstärktem Maße phytophage Arthropoden-Gruppen bearbeitet worden (MEYER 1984, TISCHLER 1985). Die Bearbeitung der Schmetterlinge soll dazu beitragen - zusammen mit den vorangegangenen Untersuchungen der letzten 20 Jahre über räuberische, parasitische und detritophage Arthropoden - ein Gesamtbild des Ökosystem-Kom-plexes "Salzwiese" zu erstellen.

Die vorliegende Arbeit hat die Biologie und Ökologie der Lepidopteren des Gezeitenbereichs zum Hauptgegenstand. Folgende Problemkreise standen dabei im Vordergrund:

  • Vollständige Erfassung des indigenen Arteninventars der Küstenregion;
  • Bionomie und Wirtspflanzenspezifität der Salzwiesenarten;
  • Artenzonierung im "Faktorengefälle" des Vorlandes;
  • Adaptationsmechanismen und Überlebensstrategien;
  • anthropogene Einflüsse als Störfaktoren des Ökosystem-Komplexes "Salzwiese";
  • Problematik sogenannter "Ersatzstandorte" und "Ersatzbiotope".

Zur Klärung bestimmter Teilaspekte und Fragenkomplexe, die sich aus den oben erwähnten Punkten 5 und 6 ergeben, war es notwendig, außer den Vorlandbiotopen auch solche der Seedeiche und der eingedeichten Gebiete (Köge) mit in die Untersuchung einzubeziehen. Die vergleichende Bearbeitung eines salzbeeinflußten Feuchtgebietes der Ostseeküste (Wallnau/Insel Fehmarn) hat sich unter dem gleichen Aspekt als nützlich erwiesen.

Die umfangreichen, mehrjährigen Freilanduntersuchungen, zu denen auch die kontinuierliche Erfassung meteorologischer Daten sowie die Registrierung der Überflutungen in den einzelnen Untersuchungsgebieten gehörten, wurden ergänzt durch Laborexperimente zur Klärung bestimmter Fragenkomplexe (Überflutungsresistenz, Widerstandsfähigkeit gegenüber der Salinität der Nahrungspflanzen, Wirtspflanzenspezifität).