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Supplement 8

Untersuchungsgebiet Steenbeker WegEinfluß unterschiedlicher Pflegeintensitäten von Grünland auf die Arthropoden Fauna im urbanen Bereich

Ulrich Zeltner

Menschliche Eingriffe in die Naturlandschaft Mitteleuropas haben in den vergangenen Jahrhunderten zur Ausdehnung vielfältiger, unterschiedlicher Grünlandlebensräume geführt (ELLENSERG 1978, KLAPP 1965), die jeweils typische Tiergesellschaften beherbergen (MARCHAND 1953, RABELER 1952, REMANE 1958). Seit Beginn der Intensivierung landwirtschaftlicher Produktionstechnik und vor allem in den letzten dreißig Jahren kommt es im Bereich des landwirtschaftlich genutzten Grünlands durch Nivellierung der Biotopfaktoren und Vorherrschen einiger weniger Nutzungsformen zu einer Uniformierung dieser Lebensräume (ANT 1972, HEYDEMANN und MEYER 1983, MEISEL und HÜBSCHMANN 1975, 1976).

Artenverarmung und Veränderung der einzelnen Ökosysteme sind auch in den Biotoptypen des stärker besiedelten, urban-industriellen Raums festzustellen (SUKOPP 1969, 1972, 1976).

Für den Natur- und Umweltschutz erscheint es aber möglich, daß gerade im urbanen Bereich wegen fehlender Produktionszwänge auf den nichtbebauten Flächen verschiedene Biotoptypen und nicht nur stadtspezifische Biotope erhalten werden. Es gibt verschiedene Ansätze innerhalb der städtischen Bereiche, umfangreichere Flächen im Sinne des Arten- und Biotopschutzes zu entwickeln. So haben OWEN und OWEN (1975) die Vorstadtgärten in ihrer Gesamtheit als Englands wichtigstes Naturreservatas bezeichnet. Auch andere Autoren (PLACHTER 1980, SCHREINER 1979) haben den potentiellen Artenreichtum städtischer Lebensräume hervorgehoben, falls die Voraussetzung einer vielseitigen räumlichen Strukturierung noch gegeben ist. von den Grünlandgesellschaften finden jedoch nur die wenig differenzierten Zier- und Parkrasen eine weite Verbreitung im Stadtbereich (KUNICK 1978). Diese Zier- und Parkrasen entsprechen in ihrer pflanzensoziologischen Einordnung den Intensivweiden des Agrarbereichs (DIERSSEN 1983).

Dementsprechend wurde auch für diese Grünlandbiotope eine artenarme Flora (KUNICK 1974) und Fauna (SCHWEIGER 1960) festgestellt.

Untersuchungen des Stadtgartenamtes Augsburg beweisen jedoch, daß bei Übergang zu extensiver Pflege auf ehemalig intensiv gepflegten Rasenflächen schon innerhalb weniger Jahre Grünlandbiotope zu schaffen sind, die in ihrer floristischen Vielfalt den Wiesen der freien Landschaft nicht nachstehen (MÜLLER u. SCHMIDT 1982).

Die vorliegende Arbeit soll einen Beitrag zur Klärung der Frage leisten, in welcher Weise sich unterschiedliche Pflegeintensitäten auf die Arthropoden-Fauna von Grünlandbiotopen im urbanen Bereich auswirken. Hierzu wurde in Zusammenarbeit mit dem Garten-und Friedhofsamt der Stadt Kiel auf einer Fläche von ca. 4000 m2 ein bisheriger Parkrasen im äußeren Stadtkernbereich Kiels unterschiedlichen Pflegeintensitäten ausgesetzt. Diese Flächen wurden mit einer Glatthaferwiese im Stadtrandbereich Kiels verglichen.

Im einzelnen sollten folgende Fragen bearbeitet werden:

  • Wie ist die Arthropodenfauna von intensiv gepflegten Rasenflächen zusammengesetzt und von welchen abiotischen und biotischen Faktoren wird sie bestimmt?
  • Welche Veränderungen erfahren Biotop und Biozönose bei abgestufter extensiver Pflege?
  • Sind die extensiv gepflegten Grünflächen des innerstädtischen Bereichs den extensiv bewirtschafteten Wiesen des Agrarbereichs in bezug auf Artenspektrum und Zoozönosestruktur ähnlich, oder stellen sie ein stadtspezifisches Ökosystem dar?