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Supplement 9

Untersuchungsgebiet Straßenrand B 430 bei Hohenwestedt (Photo: V. B. Pichinot)Verbundfunktion von Straßenrandökosystemen

V. Pichinot, K. Wollweber, J. Koßler

Redaktion: Eva M. Hugenbusch

In der dichtbesiedelten Kulturlandschaft Mitteleuropas stellen Straßen als Fortbewegungs- und Transportwege ein prägendes Element dar.

Durch intensive Landnutzung, fortschreitende Urbanisation und das wachsende Bedürfnis nach individueller Mobilität hat der Ausbau des Straßen- und Wegenetzes bis heute ständig an Bedeutung gewonnen. So ist in Schleswig-Holstein ein Anteil von 4 % der Landesfläche von Straßen- und anderen Verkehrsflächen bedeckt, die die Landschaft in Restflächen von maximal 1000 ha zusammenhängender Größe zerschneiden.

Die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung auf die Pflanzen- und Tierwelt wie Flächenversiegelung, Parzellierung der Landschaft, Emission von Lärm- und Schadstoffen sowie Beeinflussung von Wasserhaushalt und Klima sind daher unverkennbar. Aus diesem Grund hat die ökologische Forschung die Straßen mit ihren komplexen Auswirkungen auf die Ökosysteme sowie der Tiere und Pflanzen in jüngster Zeit in zunehmendem Maße zum Gegenstand.

Besondere Bedeutung wurde dabei den Straßenrandökosystemen zuteil, die in Schleswig-Holstein an Autobahnen, Bundes-, Land-, Kreis- und Kommunalstraßen mit einer Gesamtlänge von ca. 29.000 km etwa 2 % der Fläche des Landes einnehmen.

Die vorliegenden Arbeiten entstanden als Diplom- oder Staatsexamensarbeiten an der Forschungsstelle für Ökosystemforschung. KOSSLER untersuchte in seiner Arbeit die Auswirkungen unterschiedlicher Mahdintensitäten der Randstreifen an einer Autobahn. WOLLWEBER stellte den ökoklimatischen Einfluß nord- und südexponierter Böschungen, die biozönotische Abhängigkeit der Straßenrandökosysteme von den Nachbarbiotopen sowie die Erforschung der Verbundsfunktion von Straßenrändern in den Vordergrund. In beiden Arbeiten erfolgte die ökosystemare Analyse der Straßenrandbiotope anhand ausgewählter Gruppen der epigäischen Arthropoda. Die Arbeit von PICHINOT dagegen basiert auf der Erforschung der Straßenrandbiozönosen am Beispiel der phytophagen Wirbellosen und stellt Zusammenhänge zur naturräumlichen Lage, Struktur und Bewirtschaftung der Straßenrandflächen dar. Alle drei Arbeiten belegen für die Straßenrandbiotope eine arten-und individuenreiche Fauna und unterstreichen die Möglichkeit des Arten- und Biotopschutzes in diesen Bereichen.

Unzulässig wäre es jedoch, aus vorliegenden Untersuchungen eine Berechtigung für die ökologische Bedeutsamkeit von Straßenrändern allgemein herzuleiten und für den Bau neuer Straßen und Wege zu plädieren. Die Arbeiten sollen vielmehr Anregungen zu einer ökologisch orientierten Straßenrandpflege geben, um die drastischen Eingriffe, die der Straßenbau für den Naturhaushalt ohnehin bedeutet, zu minimieren.